Bereits im Frühjahr 2020 fiel vor dem Hintergrund der sich rapide ausbreitenden Corona-Pandemie beim VFG die Entscheidung, in diesem Jahr im September kein übliches „Haus-Sebastian-Herbstfest“ zu feiern. Dies war insbesondere mit Blick auf das in diesem Jahr 30-jährige Bestehen der Einrichtung ein besonders schmerzlicher Schritt.

Schon zu diesem Zeitpunkt waren sich die Mitarbeitenden unter der Leitung von Michael Heidekorn aber einig, dass sie nach Maßgabe des unter den gegebenen schwierigen Umständen Möglichen, trotzdem versuchen wollten, die Bewohner*innen diesen Tag als etwas Besonderes erleben zu lassen.

Und dies gelang den Mitarbeitenden auf großartige Weise am vergangenen Freitag.

Auch wenn in diesem Jahr auf jegliche Sitzgelegenheiten im Hof, die gewohnte Tombola, das Kickerturnier und auf externe Gäste verzichtet werden musste, so konnten doch zumindest, bei allerbestem Spätsommerwetter, einige Leckereien wie Kuchen, Steaks und Bratwürste vom Grill und – ein gefeiertes Novum! – Pommes aus der Fritteuse an die Gäste ausgegeben werden.

„Wir alle waren überrascht, wie selbstverständlich und diszipliniert unsere Bewohner*innen wieder einmal die Corona-Auflagen akzeptierten und umsetzten: Angefangen bei der Händedesinfektion und der Maskenausgabe am Eingang zum ‚Buffet-Parcours‘ (siehe Foto), dem Einhalten der Abstandsregeln und dem anschließenden lockeren Verteilen und Verweilen im Hof und angrenzenden Gelände, wurden alle Regeln anstandslos eingehalten.

Es war eine ungemein berührende, friedliche und familiäre Atmosphäre, die uns alle an diesem Tag verband“, so Michael Heidekorn.

Im Jahr seines 30-jährigen Bestehens hat das Haus Sebastian damit einmal mehr wieder seine großen Stärken unter Beweis gestellt: Selbst unter widrigsten Bedingungen konnte für die Bewohnenden des Hauses wieder „das Beste draus gemacht werden“!

Dafür hat an diesem Tag und in der Zeit davor das HS-Team einen bewundernswerten Einsatz gezeigt.

 

Unter dem oben genannten Motto findet im Frühherbst der Weltkindertag statt, um zu informieren und vor allem um zu unterstreichen, wie wichtig es ist, dass auch die Kleinsten Rechte haben, die eingehalten und geschützt werden müssen. Vielerorts wird es in diesem Jahr Einschränkungen dieses Ehrentages geben: In Bonn ist der offizielle Weltkindertag mit seinem umfangreichen Programm wegen der Coronakrise bereits abgesagt worden.

Holger Dehnert ist Fachreferent für Tagesangebote für Kinder und hilft mit seiner täglichen Arbeit dabei, die Rechte von Kindern in NRW zu unterstützen.

Guten Tag, Herr Dehnert,

? Wie sieht ihr Arbeitsalltag aus? Was genau gehört zu Ihren Aufgaben?

! Ich bin als Fachreferent tätig im Arbeitsfeld Tagesangebote für Kinder. In erster Linie unterstütze, berate und begleite ich die Träger und Einrichtungen von Kindertagesangeboten, die Mitglied im Paritätischen sind. Mein Alltag ist gekennzeichnet von der Zusammenarbeit mit engagierten Trägervertreter*innen und Mitarbeiter*innen – dazu gehören telefonische, Email- oder Vor-Ort-Kontakte genauso wie das Organisieren und Moderieren von (digitalen) Arbeitskreisen, das Aufbereiten und Zugänglichmachen von Informationen und Materialien, die Zusammenarbeit mit unterschiedlichsten Ämtern und Organisationen und die Interessenvertretung auf kommunaler und Landesebene.

? Was war in letzter Zeit ihr schönstes Erfolgserlebnis auf der Arbeit?

! Mit viel Freude habe ich in den Zeiten des Betretungsverbots in Kindertageseinrichtungen wahrgenommen, wie engagiert, vielfältig und kreativ sich viele Menschen in den Einrichtungen bemüht haben, den Kontakt zu Eltern und Kindern zu halten und sie auch aus der Entfernung zu unterstützen. Ich habe viele beeindruckende und anrührende Rückmeldungen dazu erhalten.

? Warum haben Sie sich für eine Tätigkeit entschieden, mit der Sie Kinder und Jugendliche unterstützen?

! Das ist eine wirklich spannende Frage. Ich bin persönlich in einem Umfeld aufgewachsen, in dem soziale Verantwortung eine große Rolle gespielt hat. Ausschlaggebend für meine Studienwahl waren dann die Begegnungen und Erlebnisse in meinem Zivildienst, den ich 20 Monate in einer zweigruppigen Kindertageseinrichtung absolviert habe. Die Erfahrungen während des Studiums haben dann sicherlich dazu beigetragen, dass mich die fachliche Auseinandersetzung mit der Frage nach der Begleitung und Unterstützung von Kindern nie mehr losgelassen hat. Beim Paritätischen NRW fühle ich mich mit dieser Haltung sehr gut aufgehoben – als Fachreferent habe ich die Möglichkeit, „im Hintergrund“ mit darauf hin zu wirken, dass es Kinder und Jugendlichen gut geht.

? Welche Angebote bietet der Paritätische für Kinder?

! Der Paritätische NRW bildet das Dach von rund 3.100 Organisationen mit mehr als 6.500 Einrichtungen und Diensten in allen Feldern der sozialen Arbeit. Darüber hinaus gibt es in NRW fast 1.000 Untergliederungen von bundesweit aktiven Mitgliedsorganisationen des Paritätischen. Die Mitgliedschaft des Paritätischen ist so bunt wie die Gesellschaft. Eins haben jedoch alle gemeinsam: Toleranz, Offenheit und Vielfalt bilden die Grundlage ihres Handelns. Ein Schwerpunkt stellen die Arbeitsfelder der Kinder- und Jugendhilfe dar. Unsere Mitgliedsorganisationen decken dabei das ganze Spektrum an Unterstützungs- und Beratungsleistungen ab: Von Angeboten der Familienbildung und Familienhilfe über Jugendkulturarbeit, Jugendsozialarbeit, Hilfen zur Erziehung, Inklusionsangeboten bis hin zu Mädchen- und Frauenorganisationen und Offenen Ganztagsschulen. Die Tageseinrichtungen für Kinder bilden das größte Arbeitsfeld unter dem Dach des Paritätischen NRW – gut 1.200 Mitgliedsorganisationen sind in diesem Bereich tätig.

In Bonn gibt es rund 100 Organisationen mit ca. 140 Einrichtungen, die Mitglied des Paritätischen sind. 37 unterschiedliche Träger betreiben dabei 41 Kindertageseinrichtungen. Die Angebote finden sich unter https://bonn.paritaet-nrw.org

? Wie können Kinderrechte in Einrichtungen für Kinder und Jugendliche gestärkt werden und wo sehen Sie hier den größten Handlungsbedarf?

! Die konzeptionelle Orientierung an den Kinderrechten ist ein unverzichtbarer Baustein guter Arbeit in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe. Kinder sind von Beginn an eigene Persönlichkeiten und damit auch Träger von eigenen Rechten. Damit ist es eine Kernaufgabe in der Arbeit mit Kinder und Jugendlichen, die Würde der Kinder zu achten und sie in der Wahrnehmung ihrer Rechte zu unterstützen.

Die Unterscheidung von Beteiligungs-, Förder- und Schutzrechten hilft dabei, immer wieder genau hinzusehen, wo Kinder besser geschützt werden müssen, wie sie individuell in ihrer Entwicklung gefördert und in ihren Angelegenheiten umfassend beteiligt werden können.

Als Verband haben wir uns in den letzten Jahren verstärkt mit dem Thema Kinderarmut auseinandergesetzt. Hier besteht ein enormer Handlungsbedarf. Persönlich beschäftige ich mich derzeit mit der Frage, wie im Umgang mit Kindern und Jugendlichen beschämendes, abwertendes und ausgrenzendes Kommunizieren und Verhalten vermieden werden kann.

? Sollten Kinderrechte im Grundgesetz verankert werden?

! Ich unterstütze nachdrücklich die Verankerung der Kinderrechte im Grundgesetz. Der Paritätische selbst, aber auch viele unserer Mitgliedsorganisation wie bspw. der Kinderschutzbund oder das Kinderhilfswerk setzen sich schon seit vielen Jahren dafür ein. Kinder brauchen einen besseren Zugang zum Recht. Das Verwirklichen der Kinderrechte stellt eine zentrale Voraussetzung für ein gutes und gesundes Aufwachsen dar. Gleichzeitig liegt in der Erfahrung echter Beteiligung und Teilhabe ein wesentlicher Baustein für die Entwicklung einer demokratischen Gesellschaft. Wir sind fest davon überzeugt, dass die Aufnahme von Kinderrechten ins Grundgesetz auf alle Ebenen des öffentlichen und privaten Lebens ausstrahlen und sich damit auch unmittelbar auf die Lebenswirklichkeit von Kindern und Jugendlichen auswirken würde. Wenn wir uns vor Augen führen, wie viele Kinder in Deutschland – trotz der UN-Kinderrechtskonvention – in Armut leben, mit ungleichen Bildungschancen aufwachsen, Ausgrenzung, Beschämung oder Gewalt erfahren, dann wird deutlich, wie wichtig dieser Schritt ist.

? Was wünschen Sie den Kindern zum Weltkindertag 2020?

! Vor dem Hintergrund meiner Zusammenarbeit mit Angeboten der Kindertagesbetreuung wünsche ich allen Kindern, dass sie sichere Orte erleben, an denen sie sich wohl fühlen, ihre Potentiale entfalten und aktiv an der Gemeinschaft teilhaben können. Ich wünsche ihnen gewaltfreie, ermutigende Bezugspersonen, die sie in ihren Rechten achten und in deren Umsetzung unterstützen.